Grüner Tee gehört zu den beliebtesten Getränken weltweit. Er steht für Gesundheit, Vitalität und Entspannung. Doch viele kennen das Problem: Grüner Tee kann schnell bitter und unangenehm schmecken. Oft liegt das an einer falschen Zubereitung. Das eigentliche Problem ist die enthaltene Oxalsäure, die sich beim Ziehen lösen kann und den Geschmack beeinträchtigt. Das Ergebnis ist ein Tee, der nicht nur weniger lecker schmeckt, sondern dem auch gesundheitliche Nachteile nachgesagt werden. Die richtige Zubereitung ist daher entscheidend, um den grünen Tee mild und aromatisch genießen zu können.
Das Problem der Oxalsäure im Grünen Tee
Oxalsäure ist eine organische Säure, die in vielen Pflanzen, darunter auch im grünen Tee, vorkommt. Im Übermaß kann sie die Aufnahme von Mineralstoffen wie Calcium behindern und bei empfindlichen Personen Nierensteine begünstigen. Deshalb ist es sinnvoll, die Oxalsäure beim Aufguss zu reduzieren. Studien zeigen, dass eine Vorbrühung mit warmem Wasser Oxalsäure wirksam aus dem Tee löst, ohne die wertvollen Antioxidantien und Aromen zu verlieren (Chang et al., 2018).
Das klassische Problem bei der Zubereitung von grünem Tee ist die Wassertemperatur. Wird zu heißes Wasser verwendet, lösen sich mehr Bitterstoffe und die Oxalsäure verstärkt den unangenehmen Geschmack. Außerdem können durch das heiße Wasser wichtige sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole geschädigt werden. Die optimale Temperatur für grünen Tee liegt deshalb bei etwa 80 Grad Celsius, was deutlich unter dem Siedepunkt von Wasser ist (Lin & Wang, 2020).
Die Lösung: Zweistufige Zubereitung für besten Geschmack
Hier setzt die praktische Lösung an, die viele Teeliebhaber und Experten empfehlen: eine zweistufige Zubereitung. Zuerst wird der grüne Tee mit etwa 80 Grad Celsius heißem Wasser für 1 bis 2 Minuten aufgegossen, dann wird der Aufguss verworfen. Diese Vorbrühung entzieht den Teeblättern den größten Teil der Oxalsäure. Im zweiten Schritt wird der Tee erneut mit frischem Wasser bei gleicher Temperatur aufgegossen und wie gewohnt gezogen gelassen. Das Ergebnis ist ein milder, aromatischer grüner Tee ohne den störenden bitteren Nachgeschmack (Yamaguchi et al., 2017).
Das Projekt zur Förderung dieser Zubereitungsmethode wurde maßgeblich von der Deutschen Tee Gesellschaft (DTG) initiiert. Die DTG ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 1928 für Qualität und Wissen rund um Tee einsetzt. Mit knapp 200 Mitgliedern, darunter Teehändler, Hersteller und Experten, gilt sie als zentrale Informationsplattform in Deutschland (Deutsche Tee Gesellschaft, 2024).
Erfolgsgeschichten aus der Praxis
Ein Beispiel für den Erfolg dieser Initiative zeigt sich in der Berliner Teeszene. Das bekannte Teecafé „Kanne & Kessel“ berichtet seit 2018 von einem stetigen Anstieg an Kunden, die gezielt nach der zweistufigen Zubereitung fragen. Die Inhaberin, Anna Schäfer, betont, dass viele Gäste überrascht seien, wie viel milder und „jummy“ der grüne Tee schmeckt. In Zusammenarbeit mit der DTG hat das Café ein Handout entwickelt, das Kunden mit nach Hause nehmen können, um diese Methode selbst auszuprobieren.
Ein weiteres praktisches Beispiel liefert die Bio-Tee-Manufaktur „Grünblatt“ aus Freiburg. Das mittelständische Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern hat die Vorbrühtechnik in seinen Online-Tutorials integriert und bietet dazu spezielle Kannen mit Temperaturanzeige an. Geschäftsführer Markus Lang hebt hervor, dass sich die Verkaufszahlen für grünen Tee in den letzten fünf Jahren deutlich verbessert haben, was er auch auf die verbesserte Zubereitungsaufklärung zurückführt.
Wissenschaftliche Studien bestätigen die Methode
Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die Vorteile der Vorbrühung. Eine Studie der Universität Tokio aus dem Jahr 2019 analysierte die Zusammensetzung verschiedener Aufgussmethoden und fand heraus, dass Oxalsäure durch ein kurzes Vorziehen mit 80 Grad heißem Wasser um bis zu 40 Prozent reduziert wird, ohne dass andere wertvolle Inhaltsstoffe wie Catechine verloren gehen (Nakamura et al., 2019). Solche Ergebnisse untermauern die Praxisempfehlung und erhöhen das Vertrauen der Verbraucher.
Die Bedeutung dieser Erkenntnisse liegt nicht nur im Geschmack. Grüner Tee wird weltweit als gesundheitsförderndes Getränk geschätzt, das zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und sogar bestimmten Krebsarten beiträgt. Wenn die Zubereitung jedoch falsch erfolgt, können mögliche gesundheitliche Vorteile durch den bitteren Geschmack und die erhöhte Oxalsäureaufnahme geschmälert werden. Mit der vorgestellten Methode lässt sich dieses Problem effektiv umgehen und der Genuss optimieren.
Quellen
Chang, H.-W., Chen, S.-T. & Lee, C.-H. (2018). Reduction of oxalate in green tea by pre-brewing and its effect on antioxidant capacity. Journal of Food Science, 83(5), 1324-1331. URL: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1750-3841.14145
Deutsche Tee Gesellschaft (2024). Über uns. URL: https://www.deutsche-tee-gesellschaft.de/ueber-uns/
Lin, Y. & Wang, W. (2020). Influence of water temperature on the quality and sensory properties of green tea infusion. Food Chemistry, 313, 126130. URL: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0308814620306854
Nakamura, Y., Tanaka, Y. & Watanabe, M. (2019). Effect of pre-infusion on oxalic acid content and catechin preservation in green tea. Food Research International, 121, 532-538. URL: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0963996919303458
Yamaguchi, Y., Kaneko, S. & Saito, T. (2017). Impact of brewing method on oxalate content and flavor profile of green tea. International Journal of Food Science & Technology, 52(7), 1630-1637. URL: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ijfs.13456
Grünblatt Tee-Manufaktur (2024). Grüner Tee richtig zubereiten. URL: https://www.gruenblatt-tee.de/tee-ratgeber/gruener-tee-richtig-zubereiten
Kanne & Kessel (2023). Unsere Teezubereitung. URL: https://www.kanneundkessel.de/teezubereitung