BD 500 enthält stabile und leicht abbaubare Moleküle – potenzielle Stimulanz für Bodenleben

Auf einem biodynamischen Hof in Mitteleuropa sieht man oft Landwirte, die im Herbst kleine Kuhhörner in den Boden stecken. Darin: frischer Kuhmist, der über den Winter fermentiert. Dieses kleine Präparat, das die Landwirte im Frühjahr wieder ausgraben, trägt den Namen BD 500 – Hornmist. Für viele ist es ein bewährtes Mittel, um den Boden zu beleben.

Doch was passiert eigentlich darin auf molekularer Ebene? Eine Studie aus dem Jahr 2012 hat genau das untersucht (Spaccini et al. 2012).


Ein ungewöhnlicher „Fermentationsprozess“

Normaler Kompost wird meist auf Haufen gelagert und regelmäßig gewendet. BD 500 entsteht anders: der Mist wird in Kuhhörner gefüllt und über Monate im Boden gelassen. Während dieser Zeit verändern Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen die chemische Struktur des Materials.

Die Forscher wollten wissen: Welche Stoffe entstehen dabei? Dafür nutzten sie moderne Laborverfahren, die das Material in seine molekularen Bestandteile zerlegen. Das Ergebnis: BD 500 ist ein komplexes Gemisch aus pflanzlichen und mikrobiellen Molekülen.

  • Es enthält Lignin, das stabile Holz-ähnliche Moleküle in Pflanzen bildet.

  • Es enthält Polysaccharide, also lange Zuckerketten aus Pflanzen.

  • Es enthält Alkylverbindungen, die bei mikrobiellen Prozessen entstehen.

Kurz gesagt: Das Präparat ist eine Mischung aus Stoffen, die teilweise sehr stabil sind, teilweise aber leicht von Bodenorganismen abgebaut werden können.

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Wusstest du?
Lignin, das auch in Holz vorkommt, ist sehr schwer zu zersetzen. Genau deshalb trägt es dazu bei, dass Böden langfristig fruchtbar bleiben.
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Langsame Reifung – besondere Mischung

Der Clou an BD 500 ist die langsamen Fermentation. Anders als beim Kompost dauert es Monate, bis sich die chemische Zusammensetzung stabilisiert. Dabei entstehen zwei Arten von Stoffen:

  1. Stabile Verbindungen, die langfristig Humus aufbauen.

  2. Leicht abbaubare Verbindungen, die Mikroorganismen als Energiequelle dienen.

Das bedeutet: Das Präparat kann den Boden auf zweierlei Weise unterstützen – einmal langfristig durch Humusaufbau, einmal kurzfristig durch Stimulierung von Bodenlebewesen.

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Wusstest du?
Ein gesunder Boden ist voller Leben. In nur einem Teelöffel Erde können Milliarden von Mikroorganismen leben. BD 500 liefert diesen Organismen Nahrung und Struktur.
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Erste wissenschaftliche Einordnung

Die Studie zeigt: BD 500 ist kein „normaler Dünger“. Es handelt sich um ein biologisch aktives Material, das chemisch sehr vielfältig ist.

Die Forscher betonen, dass die Studie nicht erklärt, warum Pflanzen auf allen Höfen gleich gut reagieren. Aber sie liefert erste wissenschaftliche Hinweise, dass das Präparat Stoffe enthält, die Bodenorganismen aktivieren können.


Bedeutung für Landwirte und Boden

Für die Praxis bedeutet das: BD 500 kann zur stabilen Humusbildung beitragen, den Boden beleben und die mikrobielle Aktivität fördern. Auch wenn noch nicht jeder Effekt im Detail verstanden wird, bestätigen Landwirte seit Jahrzehnten positive Erfahrungen.


Quellen

Spaccini, R. et al. (2012) Molecular properties of a fermented manure preparation used as field spray in biodynamic agriculture.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22707205/

Piccolo, A. (2016) The molecular structure of humic substances.
https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-319-14756-3

FAO (2020) Soil biodiversity and ecosystem services.
https://www.fao.org/3/cb1928en/cb1928en.pdf

Lal, R. (2020) Soil organic matter and soil health.
https://www.nature.com/articles/s43017-020-0056-1


Hinweis zur biodynamischen Praxis

Die biodynamische Landwirtschaft ist sowohl eine landwirtschaftliche Methode als auch eine spirituell-philosophische Praxis. Viele ihrer Wirkprinzipien – insbesondere im Zusammenhang mit biodynamischen Präparaten – können von der heutigen naturwissenschaftlichen Forschung noch nicht vollständig erklärt werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Wirkung existiert. Langfristige agrarwissenschaftliche Untersuchungen zeigen wiederholt positive Effekte biodynamischer Bewirtschaftung auf Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und ökologische Stabilität landwirtschaftlicher Systeme.

Die Frage ist daher weniger, ob diese Methoden wirken, sondern vielmehr, ob unsere aktuellen wissenschaftlichen Modelle bereits alle Prozesse lebendiger Böden vollständig verstehen. Bei The Garden in the Woods suchen wir immer wieder Kontakt und Austausch zu Forschern in dem Bereich Forst- und Agrarforschung.

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